Bobath-Konzept – Bewegung durch die Pflege

By | 22. Mai 2015

Bobath-Konzept – Pflege von Menschen mit zentralen Lähmungen

Das Bobath-Konzept wurde 1943 von dem gleichnamigen Ehepaar entwickelt. Sie machten sich die lebenslange Lernfähigkeit des Gehirns sowie dessen Fähigkeit, sich umzuorganisieren zunutze und entwickelten auf dieser Basis ein Behandlungskonzept für Patienten mit zentralen Lähmungen. Mittlerweile wird das Bobath-Konzept weltweit erfolgreich angewendet.

Im Mittelpunkt der Behandlung steht der Lernprozess eines Patienten, seine Bewegungsabläufe neu zu koordinieren. Verfolgt werden zwei Kernziele: den Muskeltonus zu regulieren und physiologische Bewegungsabläufe neu zu steuern. Nach diesen beiden Zielen werden die Lernangebote für die Patienten individuell erstellt. Die Therapie nach Bobath sollte sich möglichst zeitnah dem Krankenhausaufenthalt anschließen, damit das Erlernen eines neuen Bewegungsablaufes kontrolliert erfolgen kann und sich der Patient nicht automatisch falsche, eigene Bewegungsabläufe antrainiert. Je früher mit dem Bobath-Konzept begonnen wird, desto erfolgversprechender ist die Aussicht auf Heilung. Ziel des Konzeptes ist es, den Patienten zu Selbstständigkeit und Unabhängigkeit im Alltag zu verhelfen. Vor allem Schlaganfall- und Hemiplegie-Querschnittsgelähmten kann mit dieser Therapieform geholfen werden.

Bobath–Konzept zielt auf die vollständige Nutzung aller vorhandenen Nervenzellen im Gehirn ab

Das Bobath–Konzept zielt auf die vollständige Nutzung aller vorhandenen Nervenzellen im Gehirn ab. Durch das ständige Trainieren neuer Bewegungsabläufe können sich neue synaptische Verbindungen bilden oder bereits vorhandene Synapsen aktiviert werden. Auch wenn eine Gehirnhälfte nicht mehr aktiv ist, kann die andere dadurch auch für diese Körperhälfte die Steuerung zumindest teilweise übernehmen.

In das Konzept sind nicht nur Ärzte und Patienten sondern auch das gesamte soziale Umfeld des Betroffenen eingebunden. Das Bobath-Konzept setzt schon bei der Gestaltung des Krankenzimmers an. Da Patienten ihre gelähmte Seite intuitiv ignorieren, wird das Zimmer so gestaltet, dass die gelähmte Seite besonders stimuliert wird. Der Patient liegt mit der gelähmten Seite in Richtung der Tür und ist so gezwungen, sich zu drehen, wenn er aus dem Fenster sehen, zum Nachttisch greifen oder Fotos ansehen will. Auch die Behandlung und Ansprache des Patienten sollte immer von der gelähmten Seite aus erfolgen.

Im Mittelpunkt der Behandlung steht die stetige Motivation und positive Beeinflussung des Patienten. Bei guten medizinischen Voraussetzungen und aktiver Mitarbeit des Patienten kann eine fast vollständige Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit erzielt werden. Nach positivem Verlauf der Bobath-Therapie können unkontrollierte Muskelbewegungen wieder gesteuert und die Motorik in den betroffenen Körperregionen wieder kontrolliert werden. Angestrebt wird, dass eine beidseitige Bewegung wieder möglich wird. Dadurch soll Selbstständigkeit im Alltag erreicht und eine dauerhafte Pflegebedürftigkeit vermieden werden.

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Hemiplegie Hemiparese

Bei der Diagnose Hemiplegie oder Hemiparese handelt es sich jeweils um halbseitige Körperlähmungen, die durch die Schädigung einer Gehirnhälfte entstanden sind. Hemiplegie und Hemiparese sind jeweils keine eigenständigen Krankheitsbilder sondern treten lediglich als Folgeerscheinung auf, wenn es zum Ausfall einer Gehirnhälfte kommt. In der betroffenen Körperregion können Patienten Arme und Beine sowie die Gesichtsmuskulatur, Augenlider, Zunge und Mund nicht mehr eigenständig bewegen.

Während es sich bei einer Hemiplegie um eine vollständige halbseitige Lähmung handelt, ist bei einer Hemiparese die eine Körperhälfte nicht hundertprozentig gelähmt, sondern kann partiell vom Patienten noch bewegt werden. Die Auswirkungen für den Patienten sind jedoch in beiden Fällen gravierend. Die Lähmungserscheinungen treten in der jeweils dem Gehirn gegenüberliegenden Körperhälfte auf. Ist beispielsweise die rechte Hirnhälfte von der Schädigung betroffen, kommt es zur linksseitigen Lähmung. Die linke Körperhälfte wird partiell oder sogar vollständig nicht mehr wahrgenommen und das Orientierungsvermögen in Raum und Zeit ist eingeschränkt. Außerdem kann es zu Problemen bei der Wortfindung sowie zum kompletten Sprachausfall kommen.

Hemiplegie- und Hemiparese-Patienten zeigen oftmals ein typisches Erscheinungsbild: Die Schulter ist nach hinten gezogen, das Bein ist gestreckt und rotiert nach außen; der Ellenbogen der gelähmten Körperseite ist gebeugt und wird eng an den Körper gepresst. Ist auch der Gesichtsnerv von der Lähmung betroffen, wirkt oftmals das Gesicht des Patienten entstellt, weil eine Gesichtshälfte träge herunter hängt. Kurz nach der eingetretenen Lähmung, bilden sich bei vielen Patienten Spastiken, weil das Gehirn trotzdem versucht, die gelähmte Körperhälfte weiterhin zu steuern. Der Arm wird an den Körper gedrückt, die Muskeln ziehen sich zusammen und die Finger verkrampfen sich in den Handflächen.

Häufigster Auslöser einer Hemiplegie ist ein Schlaganfall. Daneben können aber auch Entzündungen im Gehirn, Tumore, Aneurysmen oder Verletzungen, die während einer Operation auftreten eine Hemiplegie oder Hemiparese verursachen. Besonders ein hohes Lebensalter begünstigt krankhafte Veränderungen der Gefäße, die wiederum ursächlich sind für Schlaganfälle.

Die Symptome halbseitiger Lähmungen nach einem Schlaganfall sind eindeutig. Eine Hemiplegie bzw. Hemiparese nach einem Schlaganfall tritt plötzlich auf; eine Körperhälfte hängt kraftlos herunter und ist unempfindlich gegen Berührungen; die Sprache ist beeinträchtigt und auch geistige Störungen können plötzlich auftreten, so dass Patienten vertraute Personen nicht wiedererkennen. Wenn Hemiplegie oder Hemiparese durch einen Gefäßverschluss entstehen, können Patienten in der Regel am Morgen plötzlich nicht mehr alleine aufstehen. Diese Form der halbseitigen Lähmung kann sich wieder vollständig zurückbilden, wenn der Verschluss behoben ist. Wenn das Gehirn jedoch unwiederbringlich geschädigt ist, wird auch die Lähmung in der Regel nicht wieder zurückgehen. Treten die Erscheinungen langsam auf, sind sie oftmals Folge eines Hirntumors.

Durch Hemiplegie und Hemiparese werden Patienten erheblich in ihrem Alltag beeinträchtigt und mit einer neuen Lebenssituation konfrontiert, die sie meistens nicht mehr alleine bestreiten können. Viele können sich ohne Hilfe weder an- noch auskleiden, sie können nicht alleine essen oder sich selbstständig fortbewegen. Wenn die Hirnrinde betroffen ist, können auch geistige Störungen die Hemiplegie bzw. Hemiparese begleiten.

Die Heilungschancen hängen maßgeblich vom Ausmaß der Lähmung, dem Alter des Patienten und seinem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Nach der akuten Behandlung im Krankenhaus schließt sich ein Aufenthalt in einer Reha-Klinik an. Eine mögliche Therapieform ist das Bobath-Konzept. Hierbei wird versucht, beide Körperhälften wieder neu miteinander zu koordinieren und dem Patienten neue Haltungsmuster anzugewöhnen. Ziel aller Therapieversuche ist die Steigerung und Wiedergewinnung der Selbstständigkeit im Alltag.

Apoplex

Apoplex ist die medizinische Bezeichnung für einen Schlaganfall, der durch eine plötzlich auftretende Durchblutungsstörung im Gehirn entsteht. Ca. 15% aller Schlaganfälle führen zum Tod; 30% derjenigen, die einen Apoplex überleben, sind danach auf eine dauerhafte Versorgung angewiesen. Der Apoplex wird auch als Hirninfarkt oder Hirnschlag bezeichnet.

Zu einem Schlaganfall kommt es dann, wenn sich ein Gefäß im Gehirn plötzlich verschließt oder es zu einer Hirnblutung kommt. Das Gehirn erhält zu wenig Sauerstoff und wichtiges Gewebe stirbt ab. Die betroffene Hirnhälfte kann keine Befehle mehr an die Körperregionen aussenden.

Verschiedene Krankheiten begünstigen die Entstehung eines Schlaganfalls. Dazu gehört die Arteriosklerose, eine Verkalkung der Arterien. Durch diese Verkalkung kommt es zu Ablagerungen in den Blutgefäßen; je mehr Fett und Zellen sich in den Gefäßen festsetzen, desto weniger kann das Blut fließen, was irgendwann zur vollkommenen Verstopfung führt. Von diesem Krankheitsverlauf sind oftmals Bluthochdruck- oder Diabetes-Patienten betroffen. Eine weitere Ursache für den Apoplex kann eine Embolie der Lunge sein, die dann entsteht, wenn sich ein Blutgerinnsel aus einer anderen Körperstelle abgelöst hat und mit dem Blut in die lebenswichtigen Organe transportiert wird.

Zu den Risikogruppen für einen Schlaganfall gehören vor allem ältere Menschen; ab einem Lebensalter von 70 Jahren nimmt das Schlaganfallrisiko deutlich zu. Ein besonders hohes Risiko liegt dann vor, wenn bereits eine erbliche Vorbelastung besteht oder wenn der Patient sogar selbst schon einen Schlaganfall erlitten hat. Auch bestimmte Lebensumstände begünstigen einen Apoplex. Dazu gehören rauchen und starker Alkoholkonsum, Übergewicht und ein Mangel an Bewegung und sportlichen Aktivitäten.

Es gibt gezielte Hinweise, die auf einen Schlaganfall deuten: Plötzlich auftretende Lähmungserscheinungen einer oder Teile einer Körperhälfte, Taubheitsgefühl in den Armen oder Beinen, Sprachstörungen, Schwindel, Verwirrtheit oder plötzlich auftretende starke Kopfschmerzen. Auch wenn sich diese Symptome zeitweise wieder zurückbilden, können es trotzdem Vorboten eines bevorstehenden Schlaganfalls sein und sollten sofort von einem Arzt untersucht werden.

Eine Apoplex-Diagnose wird über ein CT (Computertomografie) oder ein MRT (Kernspintomographie) erstellt. Die Erstversorgung eines Schlaganfall-Patienten muss darauf abzielen, die Sauerstoffversorgung des Gehirns wiederherzustellen. Je schneller reagiert wird, desto weniger nimmt das Gehirn Schaden. Nach der akuten Versorgung des Patienten können Medikamente die Blutgerinnung wiederherstellen oder den Hirndruck senken. Wenn eine Hirnblutung ursächlich für den Schlaganfall war, dann kann ein chirurgischer Eingriff die Blutung stoppen und den Bluterguss entfernen.

Eine langfristige Therapie zielt darauf ab, die Bewegungsstörungen zu beheben oder wenigstens zu minimieren. Besonders jüngere Patienten haben je nach Krankheitsverlauf gute Chancen auf eine vollständige Rehabilitation.

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