Triage, wer entscheidet über Leben und Tod?

By | 20. Mai 2020

Triage, wer entscheidet über Leben und Tod? Es ist eine Frage, die kaum zu beantworten ist. Wenn man im Notfall nur eine Person von zwei retten kann, wen rettet man? Diese Frage ist aktuell wie nie, denn in den völlig überforderten Krankenhäusern in Norditalien und Spanien kämpfen die Pfleger und Ärzte um das Überleben von tausenden Covid-19 Erkrankten. Dort werden täglich Entscheidungen getroffen, die über das Leben der Patienten entscheiden. Doch wie entscheidet man richtig? Ist das Alter die Lösung? Lässt man im Zweifel lieber den 80 Jährigen Mann sterben, der ein erfülltes Leben hatte, und dafür kann das 20 Jährige Mädchen weiterleben? Kann man überhaupt richtig entscheiden? Es wird sicherlich immer Leute geben, die einem vorwerfen man hätte die falsche Entscheidung getroffen. Doch nach welchen Parametern entscheidet man richtig?

Uniklinikum Straßburg werden seit dem 21. März 2020 keine Covid-19 Patienten über 75 mehr behandelt


Eine Möglichkeit ist, wie gesagt, das Alter. Natürlich wird jeder irgendwo nachvollziehen können das eine ältere Person eher sterben sollte als eine junge Person, die ihr gesamtes Leben noch vor sich hat. So macht es beispielsweise das Uniklinikum Straßburg (Frankreich), wo seit dem 21. März 2020 keine Covid-19 Patienten über 75 mehr behandelt werden. Zwar hagelte es daraufhin nur so mit Kritik, doch die Klinik begründete es folgendermaßen: „Es soll zukünftig die Grundlage dafür geschaffen werden eine Wahl treffen zu können, welche Erkrankten bevorzugt behandelt werden und welche nicht (oder nicht mehr)“. Das Krankenhaus begründet die Entscheidung also damit, dass es eine Grundlage geben muss nach der sich die Ärzte richten können, damit sie nicht nach eigenem Ermessen handeln müssen.

Eine weitaus bekanntere und bewährte Methode ist das Triage-Prinzip
(vom französischen trier = aussortieren).
Dieses Prinzip stammt ursprünglich aus dem Krieg beziehungsweise aus dem Lazarett. Es bedeutet, dass die Patienten nach Überlebenschancen eingeteilt werden und so möglichst wenige Leute sterben müssen. In der Regel werden die Patienten in drei Gruppen aufgeteilt: lebendig, verletzt und tot. Die erste Gruppe sind Leute, die zwar verwundet sind, aber nicht behandelt werden müssen. In die zweite Gruppe kommt man, wenn man so schwer verletzt ist, dass man ohne Behandlung sterben müsste und die dritte Gruppe sind diejenigen, denen nicht mehr zu helfen ist und die ihrem Schicksal überlassen werden müssen. Diese Methode wird meistens auch in den Krankenhäusern angewendet, sodass das Alter keine Rolle spielt. Hier gilt, dass die Ärzte nach eigenem Wissen und Gewissen handeln.


Ein Problem bei der ganzen Thematik ist, dass es in Deutschland kein eindeutiges Gesetz gibt, da im Grundgesetz verankert ist, dass niemand über das Leben eines anderen entscheiden darf. Also darf niemand von vornherein festlegen, wer stirbt und wer lebt, was ein solches Gesetz unmöglich macht. Aber es gibt auch kritische Stimmen, wie beispielsweise Strafrechtsprofessor Michael Kubiciel. Er fordert ein Gesetzt, dass eindeutig definiert, wie in solchen Situationen zu handeln ist, da diese Entscheidung nicht von den Ärzten abverlangt werden darf. „Nicht nur zum Schutz der Ärzte und um ihnen Rechtssicherheit zu geben, sondern auch für die Angehörigen, die dann später fragen: ‚Wie habt ihr entschieden?‘ ‚Und was sind die Grundlagen eurer Entscheidung?’“ Denn ein weiteres Problem ist, dass Ärzte mit einer Entscheidung ein Strafverfahren befürchten müssen, weil einige Angehörige die Entscheidung des Mediziners nicht einsehen. Solche Strafverfahren können bis zu berufsrechtliche Konsequenzen und Schadensersatzzahlungen führen.


Es ist also sehr schwierig, die oben genannten Fragen zu beantworten. Eines kann man aber auf jeden Fall sagen: Es gibt gute Argumente, die für eine gesetzliche Regelung sprechen und gute Argumente dagegen. Letztendlich ist nur das Parlament befugt eine solche Entscheidung zu treffen und es wird wahrscheinlich eine interessante Diskussion.

Bildquelle: Halfpoint / Infected patient in quarantine lying in bed in hospital, coronavirus concept.
ID: 1661222104

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