Wie bereite ich mich auf den Termin mit dem Medizinischen Dienst vor?

Durch | 27. September 2021
Termin mit dem Medizinischen Dienst

Der MDK kommt zu Besuch: Das Gespräch umfassend vorbereiten

In einem Gespräch mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) geht es oft um den Pflegegrad oder die Anerkennung und Kostenübernahme von medizinischen Leistungen. Kurz: es dreht sich mal wieder ums Geld. Deshalb sollte man sich auf den Besuch des Experten gut vorbereiten und Fehler vermeiden.

Medizinischer Dienst – Um was geht es in dem Gespräch?

Der MDK kommt zu Besuch: Das Gespräch umfassend vorbereiten – © Pixel-Shot

Wie bereite ich mich auf den Termin mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkasse vor?

In der überwiegenden Zahl der Fälle geht es um den Pflegegrad des Betroffenen. Kommt es zu einer grundsätzlichen Ablehnung der Pflegebedürftigkeit, hat der Patient keinen Anspruch auf Leistungen der Kasse, also weder auf Pflegegeld noch auf Pflegesachleistungen (wichtig für den Pflegedienst). Auch die Einstufung bereitet oft Probleme, nicht selten fällt sie zu niedrig aus.

Dann erhält der Pflegebedürftige weniger Leistungen, als ihm eigentlich zustehen. Das bedeutet meist, dass nicht genügend Mittel zur Verfügung stehen. Als Folge werden bestimmte Pflege-Maßnahmen entweder gar nicht durchgeführt, oder ungelernte Angehörige springen in die Bresche. Aber auch deren Pflegegeld reduziert sich bei einer falschen Einstufung.

Deshalb ist es von höchster Wichtigkeit, die Begutachtung gut vorzubereiten. Das Neue Begutachtungs-Assessment (NBA) der Krankenkassen vom 1.1.2017 ist für die Bewertung verbindlich.

Der MDK-Mitarbeiter arbeitet mit einem Fragebogen, der sich an folgenden sechs Modulen orientiert:

  1. Mobilität
  2. Kommunikation und geistige Leistungen
  3. Allgemeines Verhalten, psychische Probleme
  4. Selbstversorgung
  5. Umgang mit den Anforderungen der Krankheit oder Therapie
  6. Gestaltung des Alltags, soziale Kontakte

Wie bereite ich mich auf den Termin mit dem Medizinischen Dienst vor?

Der Gutachter ist meist ein Arzt oder eine erfahrene Pflegekraft. In einem knappen Zeitraum von etwa einer Stunde soll er die Pflegesituation des Erkrankten umfassend aufnehmen und bewerten. Das ist mit Sicherheit in den meisten Fällen kaum möglich, deshalb sollten die Angehörigen ihre Unterstützung anbieten. So lassen sich Fehler vermeiden, die am Ende nur zu Lasten des Betroffenen gehen.

Die Pflegeperson sollte nicht mit dem Prüfer allein bleiben. Die Anwesenheit einer vertrauten Person erleichtert ihr die Begutachtung, die oft als Zumutung empfunden wird. Ein Mitarbeiter des Pflegedienstes kann ebenfalls anwesend sein und durch seine Fachkompetenz die Problematik medizinisch fundiert darstellen.

Im Allgemeinen reden wir nicht gerne über gesundheitliche Defizite oder spielen sie herunter. Diese Einstellung ist gegenüber dem MDK grundsätzlich falsch. Denn in diesem Gespräch geht es um die angemessene Bewertung der Pflegesituation und die Feststellung des Pflegegrads. Das neue System der Begutachtung legt großen Wert auf die Selbständigkeit und auf die Frage, ob Hilfebedarf besteht. Der Pflegegrad fällt umso höher aus, je mehr Unterstützung der zu Pflegende benötigt.

Die Probleme realistisch darstellen

Auf der anderen Seite sollte man nicht noch Gebrechen hinzufügen, um mehr Pflegegeld zu erhalten. Die Gutachter sind erfahrene Spezialisten, die schnell erkennen, wenn die Angaben nicht stimmen. Mit entsprechenden Nachfragen oder Tests prüfen sie die Aussagen, deshalb bleiben die Befragten besser bei der Wahrheit.

Oft bedeutet Pflegedürftigkeit für einen Erkrankten, dass er mit einem Makel behaftet, nicht mehr leistungsfähig ist und „anderen nur zur Last fällt“. Daher versucht er, gerade bei der Einstufung einen guten Eindruck zu machen und seinen Zustand besser darzustellen, als er tatsächlich ist. Dieses Verhalten führt aber leider nur zu einer niedrigeren Einstufung. Die Angehörigen sind gut beraten, sich um eine realistische Darstellung zu bemühen. Ohnehin wird der Gutachter im Zweifelsfall den Betroffenen bitten, die betreffende Handlung oder Tätigkeit selbständig auszuführen.

Häufige Fehler bei der Begutachtung vermeiden

Auch das äußere Erscheinungsbild hat Einfluss auf die Bewertung. Wenn der Patient jedoch rundum gestylt dasitzt, sich die Haare aber nicht mehr selber kämmen kann, haben die Angehörigen zu viel des Guten getan. Andererseits vermittelt ein Auftritt im Schlafanzug den Eindruck, dass sich das Umfeld nicht ausreichend kümmert. Mit einer normalen Kleidung aber drückt sich aus, dass die Angehörigen auf die Pflege Wert legen.

Oft kommt der Gutachter in einem unpassenden Augenblick. Gerade noch misslang die Nahrungsaufnahme, und das Gewand wurde beschmutzt und unansehnlich. Das kann der MDK ruhig ruhig mit ansehen, denn für ihn bedeutet das einen zusätzlichen Aufwand, weil die Wäsche öfter gewechselt werden muss. Außerdem erkennt er, dass beim Essen Unterstützung erforderlich ist.

Wenn sich der Patient unsicher zeigt, gewisse Handlungen verweigert, bedeutet dies auch einen höheren Aufwand bei der Pflege. Auch Übergewichtige stellen den Pflegedienst vor besondere Herausforderungen. Versteht der Betroffene nicht alles sofort und die Gesprächspartner müssen sich mehrmals wiederholen, sollte man dieses Problem dem Gutachter nicht verschweigen.

Einzelne Probleme ansprechen

Auch wenn in der Kürze der Zeit einiges zunächst nicht zur Sprache kommt, die Angehörigen sollten versuchen, alle Defizite konkret zu benennen. In diese Kategorie gehören auch die peinlichen Angelegenheiten wie Inkontinenz oder die mangelnde Selbstreinigung nach dem Gang zur Toilette. Das Ankleiden kann problematisch sein, das Aufstehen und anderes, was früher selbstverständlich war. Falsche Scham ist hier fehl am Platze, was der MDK nicht kennt, geht auch nicht in die Bewertung ein.

Die Bedingungen der Pflege

Alle bisher verordneten Hilfsmittel sollte der Gutachter in der Umgebung des Patienten vorfinden. Dazu gehören der Rollator, ein Rollstuhl oder andere Utensilien, die die Krankenkasse bereits bewilligt hat. Die Medikamente sind griffbereit, auch der Medikamentenplan des behandelnden Arztes gibt Auskunft über die aktuellen Behandlungen. Atteste liegen ebenfalls bereit, ebenso die Befunde von Untersuchungen oder Operationen, die Dokumentation des Pflegedienstes, kurz alle Bescheinigungen über die Gesundheit der Pflegeperson.

Wer noch kein Pflegetagebuch führt, fängt spätestens damit an, wenn der MDK den Termin für die Begutachtung bekannt gibt. Grundsätzlich kommt es während der Pflege immer mal wieder zu Situationen, in denen man sich rechtfertigen muss. Sei es gegenüber Sachbearbeitern bei der Kasse oder bei anderen Behörden. Mit dem Pflegetagebuch zeigt der Angehörige, dass er seine Aufgabe ernst nimmt und alles Wichtige zeitnah dokumentiert. So kann er im Konfliktfall über bestimmte Geschehnisse genau Auskunft geben und aufkommende Probleme oft frühzeitig ausräumen. Seine Angaben wirken wesentlich glaubhafter und haben mehr Gewicht, wenn sie aus regelmäßigen Aufzeichnungen stammen. Denn die menschliche Erinnerung allein, das wissen wir alle, ist nicht immer verlässlich.

Bevor der Gutachter ins Haus kommt – Checkliste mit den notwendigen Vorbereitungen:

  1. Den Pflegedienst rechtzeitig informieren bzw. erinnern
  2. Patient gewaschen und gestriegelt, aber nicht auffällig gestylt
  3. Medikamente bereitstellen, evtl. den Medikamentenplan vom Hausarzt
  4. Hilfsmittel bereitstellen: Rollstuhl, Rollator, Inkontinenzmaterial
  5. Eine Liste der verwendeten Hilfsmittel für den Gutachter
  6. Die Pflegedokumentation
  7. Rezepte und Verordnungen, ärztliche Befunde, Untersuchungsberichte, Arztbriefe (Krankenhaus), Entlassungsberichte
  8. Kontaktdaten aller behandelnden Ärzte

Nach dem Besuch des MDK

In den meisten Fällen wird der Pflegegrad wie erwartet festgestellt. Wenn nicht, hilft oft ein Widerspruch bei der Pflegeklasse. Auch der Pflegedienst hat Interesse an einer höheren Einstufung und ist meist gern behilflich bei der Vorbereitung des neuen Gutachtens.

Oft kann ein Vorgespräch mit dem MDK sinnvoll sein, in dem man die Pflegesituation noch einmal in allen Einzelheiten darstellt. Hat ein Arzt das Gutachten erstellt, sollte beim nächsten Besuch das Urteil einer erfahrenen Pflegekraft in Diensten des MDK zu besseren Ergebnissen führen. Ärzte sind wichtig für die medizinische Diagnostik und die Behandlung, Pflegekräfte aber kennen den Alltag und haben mehr Verständnis für die Bedürfnisse der Betroffenen.

Kurz gefasst: der MDK – PDF Download

MDK_Kurz_gefasst_01.pdf (medizinischerdienst.de)

Bilder: © BillionPhotos.com / © Pixel-Shot

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.